Rassismus und dessen Transzendenz durch den Rechtsstaat

Heutzutage erscheint es so, als ob das übelste Schimpfwort, dass man sich einfallen lassen kann, „Rassist“ ist. Derart Beschimpfte sehen sich regelmäßig bemüßigt, sich schnellstmöglich davon zu distanzieren, um zumindest halbwegs heil in der sozialen Gesellschaft bleiben zu dürfen. Ein Rassist, so scheint es, hat jegliche Legitimation als menschliches Wesen verloren. „Es darf natürlich geschossen werden“, denn der Rassist würde ja auch schießen. Auf Schutzbedürftige zumal.

Was ist Rassismus?

Laut Definition ist Rassismus die Zuschreibung negativer Eigenschaften aufgrund der Zugehörigkeit zu einer anderen Ethnie. Man spricht hier von Vorurteilen, die zu Hass führen.

Eine kleine Exkursion in die Sozialpsychologie:

Es entspricht typisch menschlichem Verhalten, als soziales Wesen Gruppen zu bilden. Gruppen konstituieren sich dadurch, dass man sich einer Ingroup zugehörig fühlt, und sich von einer Outgroup unterscheidet.

In der Ingroup wird, jenseits des Zusammengehörigkeitsgefühls, eine Heterogenität akzeptiert: man gehört zwar zusammen, aber die einzelnen Mitglieder unterscheiden sich voneinander.

Die Outgroup, also jene, „die nicht zu mir gehören“, werden als homogen betrachtet: die sind alle gleich. Und was an denen „gleich“ ist, gehört in den Bereich der Vorurteile.

Vorurteile an sich entstehen jedoch nicht aus dem Nichts heraus, sondern aus Erfahrungen aus Begegnungen mit dem anderen, die dann verallgemeinert werden. Diese müssen nicht einmal selbst gemacht worden sein, sondern können auch durch Mitglieder der Ingroup tradiert werden. Sie sind also nicht per se substanzlos, sondern sind Ausdruck von Erfahrungen, die in dieser Gruppe gemacht wurden.

Natürlich sind solche Vorurteile fehlerbehaftet, da sie Rückschlüsse aus einzelnen Begegnungen beinhalten und nicht das Ganze zeigen. Andererseits sind Vorurteile überlebenswichtig, um nicht in potentielle Gefahren naiv hinein zu rennen.

Von daher haben Vorurteile und daraus resultierender Rassismus eine evolutionäre Berechtigung. Man kann einfach nicht vorurteilsfrei leben, negative Erfahrungen als „Einzelfall“ ausblenden und abwarten, was passiert. Weltoffene Naivität ist eine evolutionäre Sackgasse. Auf die Idee kann nur eine Gruppe kommen, die in friedlichen Zeiten aufgewachsen ist und nicht weiß, was Krieg ist und wie leicht Gewalt explodieren kann.

Vorurteile, Rassismus, Skepsis gegen das Fremde, all das sind evolutionäre Ergebnisse, zutiefst menschlich und somit normal.

Eine zivilisatorische Kulturleistung ist es, die Skepsis der Ingroup nicht darin münden zu lassen, in Eigenregie Pogrome zu veranstalten, sondern eine höhere Gewalt zu installieren, die zwischen realer Bedrohung und unzulässiger Verallgemeinerung zu unterscheiden weiß. Die Angriffe der Outgroup abzuwehren im Stande ist, sie aber auch vor Angriffen schützen kann.

In der Zivilisation haben wir das Recht auf Gewaltausübung dem Staat übertragen.

So gibt es natürlich weiterhin Rassisten. Aber sie haben keine Legitimation, für sich zu agieren, sondern haben ihr Verteidigungsinteresse an den Staat übertragen. Wer das nicht akzeptiert, wird abgeurteilt. Fatal ist, wenn der Rechtsstaat scheitert, die Schutzinteressen nicht mehr gewahrt erscheinen. Wenn der zivilisatorische Vertrag gekündigt wird, dass nur der Staat gewaltberechtigt ist.

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3 Gedanken zu “Rassismus und dessen Transzendenz durch den Rechtsstaat

  1. Hat dies auf Bayern ist FREI rebloggt und kommentierte:
    Wer das Volk leugnet und „völkisches“ Denken zum Gesinnungsdelikt macht, will das Volk abschaffen und die Schutzverantwortung des Staates für dieses Volk umgehen. it Ähnlich verhält es sich mit der Rasse und dem „Rassismus“. Das Lernen durch ständige Verfeinerung von Vorurteilen gehört zu unserem angeborenen Instrumentarium. Gleichheit gibt es vor dem Gesetz und innerhalb des Nationalstaates. Den Schutz vor den Ansprüchen Fremder haben wir dem Rechtsstaat übertragen. Die Zurückweisung von Zutrittsbegehrenden ist ein unveräußeliches Recht des Volkes. Eine Regierung, die dieses Recht abtritt, verliert ihre Legitimität und muss diesen Umstand durch Gesinnungsterror kaschieren.

    Gefällt 1 Person

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